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The Sinking City

The Sinking City ist ein Computerspiel aus dem Jahr 2019, das vom ukrainischen Studio Frogwares entwickelt und vom Publisher Bigben Interactive veröffentlicht wurde. Das auf den Werken von H. P. Lovecraft basierende Action-Adventure lässt einen Privatdetektiv in den Vereinigten Staaten der 1920er-Jahre Kriminalfälle und übernatürliche Phänomene ermitteln.

Handlung

The Sinking City spielt in der fiktiven Stadt Oakmont im US-Bundesstaat Massachusetts der 1920er-Jahre. Der Spieler übernimmt die Rolle des Privatdetektivs Charles Reed, den es aus persönlichen Gründen nach Oakmont verschlägt: Er leidet unter alptraumartigen Visionen, deren Ursprung er nach einem Briefwechsel mit einem Einwohner in Oakmont vermutet.

Die Küstenstadt Oakmont wird seit sechs Monaten von Unwettern heimgesucht, wurde dadurch zu großen Teilen überflutet und ist mittlerweile von der Umgebung abgeschnitten und kann nur noch per Schiff erreicht werden. Mit der Flut gelangten nichtmenschliche Kreaturen aus dem Meer in die Stadt, denen regelmäßig Bewohner zum Opfer fallen; letztere flüchten sich zum Teil in Okkultismus. Zahlreiche Straßen stehen so hoch unter Wasser, dass sie nur noch per Boot befahren werden können; unter der Wasseroberfläche lauern die Kreaturen. Dennoch ziehen zahlreiche Menschen aus dem ebenfalls von Überflutungen geplagten Umland in die Stadt. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch Menschen aus dem Küstenort Innsmouth, die durch an Fische erinnernde, deformierte Köpfe auffallen und von den Einheimischen gemieden werden. Irritiert ist der per Schiff ankommende Reed auch von Menschen mit affenähnlichem Äußerem, von denen einer, der in der Stadt hochangesehene Robert Throgmorton, seinen Sohn vermisst und Reed mit dem Auffinden desselben beauftragt.

Im Verlauf des Spiels findet Reed heraus, dass sich verschiedene Gruppen in der Stadt der Anbetung verschiedener Götter verschrieben haben. Eine dieser Gruppen arbeitet daran, eine alte Göttin zu beschwören, deren Befreiung aus ihrem unterseeischen Gefängnis das Ende der Welt einleiten soll. Das Spiel kann drei mögliche Ausgänge annehmen, von denen keiner ein Happy End darstellt.

Spielprinzip und Technik

Die Darstellung der Spielwelt erfolgt dreidimensional aus der Third-Person-Perspektive: Mit der Maus oder dem Controller kann sich der Spieler frei in seiner Umgebung umsehen und sich mit Tastatur oder Controller innerhalb der Spielwelt bewegen, wobei die Spielfigur stets auf dem Bildschirm zu sehen ist und die Kamera flexibel hinter der Spielfigur positioniert ist. The Sinking City ist ein Open-World-Spiel; die Stadt Oakmont ist für den Spieler von Beginn an recht frei erkundbar. Da große Teile der Stadt unter Wasser liegen, muss der Spieler für die Navigation in derselben auf ein Motorboot zurückgreifen. Das Spiel verfügt über eine Karte der Stadt Oakmont, auf der der Spieler, ungewöhnlich für Open-World-Spiele, für ihn interessante Orte und Hinweise selbst eintragen muss. Gespräche mit NPCs folgen dem Single-Choice-Prinzip. Die Wahl von Dialogoptionen beeinflusst dabei mitunter die weitere Handlung.

The Sinking City ist primär ein Adventure. Als Privatdetektiv muss der Spieler in Abhängigkeit von seinem jeweiligen Auftrag Orte der Spielwelt nach Hinweisen absuchen und kann diese in einem „Gedankenspiele“ (im Original mind palace) genannten Menü zu Schlussfolgerungen kombinieren. Diese Mechanik hat Frogwares aus den zuvor entwickelten Sherlock-Holmes-Spielen übernommen. Hat Reed alle Hinweise in einer Spielszene entdeckt, kann er mit Hilfe von Visionen (die er als Spezialfähigkeit hervorrufen kann) in die Vergangenheit sehen und Tathergänge visualisieren, wobei er verschiedene Szenen in eine korrekte Reihenfolge sortieren muss, um den Tathergang aufzuklären. Gelegentlich muss er Entscheidungen treffen, oftmals mit Bezug auf Gruppierungen, Fraktionen und Familienclans der Stadtbevölkerung, deren freundliche oder feindliche Einstellung zum Spieler dann langfristigen Einfluss auf Spielgeschehen und Handlung hat.

Das Spiel enthält darüber hinaus Elemente des Genres Survival-Horror: Über die Spielwelt verteilte Monster versuchen, den Spieler zu töten, wogegen sich dieser im Kampf wehren muss. Dafür kann der Spieler über im Spiel verteilte Schusswaffen verfügen, deren Munition jedoch gefunden werden muss und in ihrem Umfang stark begrenzt ist. Nach Art eines Rollenspiels verfügt der Spieler über einen Wert für „Geisteskraft“, der durch unheimliche Erlebnisse sinkt und die Wahrscheinlichkeit für Kampfsituationen steigert. Aus dem Rollenspiel-Genre stammt auch das Fähigkeiten-System: Durch bestimmte Aktionen erlangt Reed „Wissenspunkte“, die er in einem Talentbaum in die Verbesserung unterschiedlicher Fähigkeiten investieren und so einen persönlichen Spielstil fördern kann. Eine weitere Spielmechanik ist das aus diversen Spielegenres bekannte Crafting: Aus in der Spielwelt gefundenen Gegenständen kann Reed Waffen, Fallen oder Hilfsmittel zur Wiederherstellung seiner physischen und geistigen Gesundheit basteln.

The Sinking City spielt im Lovecraft Country, einer fiktiven Region, in der viele Werke des US-amerikanischen Horrorschriftstellers H. P. Lovecraft spielen. Die Region basiert auf dem Neuengland der 1920er-Jahre, in dem aber von Lovecraft erdachte Städte und Orte liegen. Lovecrafts Innsmouth, verwendet unter anderem in seiner Novelle Schatten über Innsmouth, wird in The Sinking City als Herkunftsort zahlreicher vor der Flut geflohener, in Oakmont nicht sehr willkommener Menschen referenziert. Oakmont selbst ist eine Erfindung der Sinking-City-Macher. Die von verschiedenen Oakmonter Fraktionen verehrten Götter stammen aus Lovecrafts Götter-Pantheon, so Dagon, Hastur und die von Brian Lumley erdachte Cthylla.

Die Spieldauer beträgt etwa 30 Stunden. Es sind mehrere Schwierigkeitsgrade einstellbar, die aber nur das Kampfsystem betreffen, nicht die Ermittlungsarbeit.

Entwicklungs- und Veröffentlichungsgeschichte

The Sinking City wurde vom ukrainischen Entwicklerstudio Frogwares entwickelt, das zuvor primär mit Adventures im Rahmen seiner Sherlock-Holmes-Reihe aufgefallen war. Als Game-Engine kam die Unreal Engine 4 des US-Unternehmens Epic Games zum Einsatz. Das Studio hatte zuvor mit der Unreal Engine 3 gearbeitet und musste sich zunächst auf die neue Version umstellen. The Sinking City ist zudem das erste Open-World-Spiel des Studios. Handlung und Spielwelt lehnen sich stark an die Werke des Horror-Autors H. P. Lovecraft an.

Ursprüngliche Planungen des Studios sahen einen 2 × 2 Kilometer großen, dicht mit individuellen Gebäuden bebauten Stadtausschnitt vor. Eine externe Expertin wurde für die Gestaltung realistischer Wohn- und Geschäftshäuser im Neuengland der 1920er-Jahre engagiert. Die Pläne mussten schnell beerdigt werden, da sie die Kapazitäten des Studios mit seinen ca. 100 Mitarbeitern deutlich gesprengt hätten. Die Firma orientierte sich an einem Vortrag, den ein Ubisoft-Mitarbeiter bei einer Game Developer’s Conference gehalten hatte, bei dem er Details zur Generierung der Städte für Assassin’s-Creed-Spiele verriet. Frogwares erstellte über einen Zeitraum von anderthalb Jahren ein Tool zur Erstellung von dreidimensionalen Stadtmodellen aus vorgefertigten Modulen.

Zeitgleich unterteilten die Entwickler die angedachten Gebäude in Gebäudetypen und ließen ihr Generierungstool die Gebäudetypen als Basis für die Stadtgenerierung nutzen. Ganze Straßenzüge lassen sich im Entwicklungstool per Knopfdruck unter Wasser setzen, wobei den Straßen und Gebäuden Zierobjekte wie Algen oder Treibgut hinzugefügt werden. Einmalig vorkommende Gebäude wie das Rathaus wurden von Hand eingefügt. Die Stadt Oakmont ist in sieben Distrikte mit unterschiedlicher Charakterisierung und unterschiedlichen Bewohnertypen eingeteilt.

Eine erste Ankündigung von The Sinking City seitens Frogwares wurde im März 2016 lanciert. Die Veröffentlichung des Spiels erfolgte am 27. Juni 2019 für die Systeme PlayStation 4, Windows und Xbox One. Als Publisher fungierte das französische Unternehmen Bigben Interactive. Das Spiel erhielt in Deutschland eine USK-Freigabe ab 16 Jahren.

Noch im Sommer desselben Jahres kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Frogwares und Bigben. Das Studio warf dem Publisher Urheberrechtsverletzungen und ausbleibende Zahlungen vor, der Publisher dem Studio eine rechtswidrige Kündigung von Verträgen. In der Folge wurde der Verkauf von The Sinking City gestoppt. Am 12. September 2019 folgte eine Portierung auf die Handheld-Konsole Nintendo Switch. Hierbei trat Frogwares selbst als Publisher auf. Während des noch laufenden Rechtsstreits kam es zwischen Frogwares und Bigben zu einer Teileinigung, und der Verkauf des Spiels lief wieder an. Eine Version für die PlayStation 5 wurde am 19. Februar 2021 veröffentlicht, wiederum mit Frogwares selbst als Publisher. Im Januar 2024 wurde der Rechtsstreit beigelegt, und Frogwares trat fortan als alleiniger Publisher des Spiels auf.

Für The Sinking City gibt es fünf herunterladbare, zum Teil kostenpflichtige Erweiterungen (Downloadable Content), beispielsweise die 2024 veröffentlichte Erweiterung Merciful Madness. Die fünf Erweiterungen bieten zusammen sechs neue Nebenmissionen, zwei Bekleidungssets für den Spielercharakter sowie einige Ausrüstungsgegenstände.

Remaster

Im Mai 2025 veröffentlichte Frogwares überraschend eine Remaster-Version von The Sinking City. Das Spiel wurde hierfür auf die Unreal Engine 5 portiert. Die Grafikdarstellung wurde verbessert, beispielsweise in Form höher aufgelöster Texturen. Für Spieler, die das Originalspiel über digitale Vertriebsplattformen wie Steam oder GOG gekauft hatten, war das Upgrade auf den Remaster kostenlos. Medien vermuteten, dass der etwas überraschend veröffentlichte Remaster im Zusammenhang mit der bereits angekündigten Veröffentlichung des Nachfolgespiels The Sinking City 2 stehe. Die Website SensorTower.com ermittelte für August 2026 167.000 verkaufte Remaster-Spiele nur für die Plattform Steam, was einem Umsatz von etwa 3,7 Millionen US-Dollar entspräche.

Nachfolger

Im März 2024 kündigte Frogwares einen Nachfolger zu The Sinking City an. Das in Teilen per Crowdfunding finanzierte The Sinking City 2 erschien im Juni 2026 und spielt in Arkham, einer weiteren fiktiven Neuengland-Stadt aus Lovecrafts Romanen.

Rezeption

The Sinking City erhielt gemischte bis positive Bewertungen. Die Rezensionsdatenbank Metacritic aggregiert 47 Rezensionen zu einem Mittelwert von 71.

Das deutschsprachige Online-Computerspielemagazin GamePro wies darauf hin, dass The Sinking City dem Spieler nicht wie in anderen Open-World-Spielen „alles vorkaut“, sondern eine aufmerksame Erkundung der Spielwelt erfordere. Eine Beschäftigung mit der Spielwelt sei nicht optional, sondern Voraussetzung für ein erfolgreiches Spiel. Das Magazin lobte die Story des Spiels als „gut geschriebenen Krimi“. Redakteur Dennis Müller fühlte sich vom Kartierungssystem des Spiels an „längst vergangene Zeiten in der Ära der Videospiele“ erinnert, in denen man die Spielwelt noch selbständig kartographieren musste. Er stellte heraus, dass die aus Dialogoptionen folgenden Auswirkungen auf die Handlung dem Spiel einen gewissen Wiederspielwert gäben.

Müller kritisierte zahlreiche dem geringen Budget des Titels geschuldete, teils gravierende technische Mängel, zudem seien aus demselben Grunde die Grafik „angestaubt“ und die Animationen „hölzern“. Das Kampfsystem sei zudem nicht die Stärke des Spiels, da die Steuerung „hakelig“ und die Kameraperspektiven während eines Kampfes mitunter irritierend seien. Das Fachmagazin Adventure Corner zeigte sich von Story und Setting beeindruckt und notierte eine Vermengung von Cthulhu- mit Maya-Mythen. Redakteur Peter Färberböck zeigte sich überrascht davon, dass Frogwares im Bemühen um Authentizität „den für Lovecraft typischen Rassismus eingebaut“ habe. Er kritisierte die wegen der automatischen Generierung eintönigen Gebäude und NPCs, eine „miserable“ Steuerung, zahlreiche technische Probleme sowie ein Fehlen der für Lovecraft typischen Horror-Elemente.

Die US-Website Destructoid lobte die glaubwürdige und vielschichtige Spielwelt, deren Gruppierungen, Fraktionen und Familienclans sehr unterschiedliche Interessen und teils eigene Dialekte hätten. Redakteur Dan Roemer hob auch die Vertonung der Charaktere und das Detektiv-Gameplay positiv hervor. Er notierte, dass sich das Design von Innenarealen oft wiederhole bis zu einem Punkt, wo man sich in noch nicht betretenen Gebäuden bereits auskenne, weil sie baugleich mit zahlreichen anderen Gebäuden seien. Die Spielwelt sei außerdem abseits einiger Nebenmissionen arm an Aufgaben, und das Kampfsystem sei klobig bis teilweise „schmerzhaft“. Das Magazin GameSpot verriss das Spiel. Redakteur Calum Marsh monierte „primitive Grafik, (eine) monotone Story und reizlose Spielmechaniken“ sowie aus endlosen Monologen bestehende Unterhaltungen mit NPCs.

Die Spielwelt sei zu groß für ihre Inhalte und habe nichts von der Atmosphäre ihrer Vorbilder in Lovecraft-Romanen, und die Spielmechaniken zum Aufklären von Tathergängen und zum Craften seien unrealistisch und technisch schlecht implementiert. PC Gamer bezeichnete The Sinking City als „vor Nässe triefende, albtraumhafte Version von L.A. Noire“; Redakteur Austin Wood zeigte sich von der ihm zur Verfügung stehenden Demoversion des Spiels begeistert.

Quellen und Überprüfung

Angepasst von Wikipedia. Der Text gehört den Autoren des Originalartikels und ist unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz verfügbar. Tabellen, Vorlagen und Fußnoten entfernt; Unten finden Sie Links zur Originalversion und zum Revisionsverlauf.

Aktualisierung des Quelltextes: 2026-08-24

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