No Man’s Sky (deutsch etwa ‚Niemandshimmel‘, abgeleitet vom englischen Ausdruck No Man’s Land, „Niemandsland“) ist ein 2016 veröffentlichtes Computerspiel des britischen Entwicklerstudios Hello Games. Darin schlüpft der Spieler in die Rolle eines Weltraumentdeckers. Das Spiel verfügt über eine prozedural generierte offene 3D-Spielwelt aus etwa 18 Trillionen Planeten. Neben den Genres Erkundung, Handel und Action-Adventure enthält es Anteile eines Survival-Spiels. No Man’s Sky erschien in Europa am 10. August 2016 für PlayStation 4 und am 12. August für Windows.
Ein dem Veröffentlichungstermin vorausgegangener Hype machte das Spiel umgehend zu einem Vorbestellungs- und Verkaufserfolg. Zur Veröffentlichung stellte sich allerdings heraus, dass viele der versprochenen Spielinhalte nicht vorhanden oder nicht fehlerfrei implementiert waren. Die Reaktionen der Presse und der Spieler waren entsprechend negativ. Jahrelange Ausbesserung und Weiterentwicklung des Spiels mittels nachträglicher Aktualisierungen bescherten Hello Games jedoch die nachträgliche Anerkennung der Spielergemeinde. Neben Verbesserung der prozeduralen Generierung wurde der Titel bspw. um die Spielmechanik des Basisbaus, Fahrzeuge und einen VR-Modus erweitert. No Man’s Sky gilt als Vorzeigebeispiel für den gelungenen Turnaround eines Computerspiels nach seiner Veröffentlichung.
No Man’s Sky verkaufte sich bis Juni 2022 über 10 Millionen Mal. Zusammengerechnet verbrachten die Spieler bis zum Juni 2022 über eine halbe Milliarde Stunden im Spiel.
Spielprinzip
Der Spieler kann in diesem Spiel eine prozedural generierte Spielwelt erkunden, die aus 18.446.744.073.709.551.616 (>18 Trillionen) Planeten besteht, von denen die meisten eine ähnliche Gravitation wie die Erde haben. Das Spiel ist auf ein Einzelspieler-Spielerlebnis ausgelegt, es ist jedoch möglich, andere Spieler im Universum zu treffen. Die Fortbewegung findet zu Fuß, per Raketenrucksack, mit vier Landfahrzeugen, einem Unterseeboot, einem Exo-Mech oder mit einem Ein-Mann-Raumschiff statt. Der Spieler kann auf den Planeten Ressourcen sammeln, Items und neue Technologien suchen oder Tiere jagen, um seinen Raumanzug und sein Raumschiff und seine Ausrüstung zu verbessern. Im Spiel kann man auf eine Vielzahl von zufällig generierten Tieren treffen und mit intelligenten Aliens handeln und kommunizieren. Außerdem hat der Spieler die Möglichkeit, Planeten und Tiere, die er als Erster entdeckt, selbst zu benennen.
Spielziel ist es, die Mitte der Galaxie zu erreichen. Für den Weg dorthin soll man ungefähr 40 Spielstunden benötigen.
Abseits von diesem Ziel ist es dem Spieler freigestellt, wie er sich innerhalb der Spielwelt verhält. Beispielsweise kann er als Pirat andere Schiffe überfallen und deren Ressourcen stehlen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, als eine Art Händler gezielt wertvolle Stoffe zu sammeln und diese anschließend zu verkaufen. Des Weiteren ist es seit dem sogenannten Foundation-Update möglich, eine Basis auf einem Planeten zu errichten, um dort mithilfe von dem Spieler angestellten intelligenten Lebensformen neue Bauteile und Technologien zu entwickeln sowie Pflanzen zu züchten, welche in bestimmten Zeitabständen Ressourcen erzeugen. Der Spieler kann nun auch große Frachtraumschiffe kaufen, in denen ebenfalls eine Basis errichtet werden kann.
Spielwelt
Die Spielwelt besteht aus 255 Galaxien. Jede Galaxie besteht aus Regionen, diese wiederum aus Sonnensystemen. Ein Sonnensystem umfasst mindestens zwei, maximal sechs, Planeten und Monde sowie (fast immer) eine Raumstation. Fast alle Raumstationen und die meisten Planeten sind von Lebensformen bewohnt. Die Planeten und Monde gelten als unentdeckt und können vom Spieler entdeckt und benannt werden.
Jeder Planet (und jeder Mond) besteht aus einem Biom. Damit wird das grundlegende Aussehen der Umwelt festgelegt sowie die regelmäßig auftretende Umweltgefahr (falls vorhanden). Die Pflanzen, Mineralien und Tiere werden prozedural generiert und können vom Spieler entdeckt und benannt werden. Um an Rohstoffe und Ressourcen zu gelangen, können Pflanzen und Mineralien abgebaut sowie Tiere getötet oder gefüttert werden. Bis zu 18 einzelne Kreaturen können nach der Fütterung vom Spieler adoptiert werden und ihn bei der Suche nach Rohstoffen unterstützen.
In Bauwerken und auf den Raumstationen können intelligente Aliens angetroffen werden, mit denen Handel getrieben werden kann. Im Spiel gibt es drei Alienrassen, die jeweils auf eine Fähigkeit spezialisiert sind: die Gek sind primär Händler, die Korvax Forscher und die Vy‘keen Krieger. Wenn man mit den Aliens kommunizieren möchte, muss man die Sprache der Rasse erlernen. Je mehr man sich mit den Alienrassen beschäftigt, desto mehr Ansehen erhält man bei den verschiedenen Rassen. Das kann dazu führen, dass man Geschenke und Informationen erhält, zum Beispiel Baupläne für neue Raumschiffausrüstung.
Wenn man auf einem Planeten zu viel Schaden anrichtet oder Tiere tötet, erscheinen Wächter-Drohnen, die den Spieler verfolgen und beschießen. Diese Drohnen kann man auch normal in der Welt finden. Jeder Planet hat einen unterschiedlichen Drohnengrad. Das heißt, dass auf den Planeten unterschiedlich viel toleriert wird. Je nachdem wie viel Interesse man erregt, erreicht man auch ein höheres „Fahndungslevel“, was in Sternen wie in Grand Theft Auto ausgedrückt wird. Das Beschießen der Drohnen erhöht das Level. Die Drohnen erscheinen dann in Wellen, deren Schwierigkeitsgrad ansteigt.
Entwicklung
Das Konzept von No Man’s Sky entstand während der Entwicklung von Joe Danger 2 durch Sean Murray. Murray, früher Entwickler bei Criterion Games für die Burnout-Reihe, wollte es vermeiden, dass Hello Games sich in einem Joe Danger-Sequel nach dem anderen verlieren und damit die Entwicklung neuer Spiele vernachlässigen würde, so wie er es bei Criterion erlebt hatte. Daher beschloss Murray, ein völlig neues Spiel zu entwickeln, das auf einer Idee aus seiner Kindheit basieren sollte, als er Astronaut werden wollte.
Murray arbeitete etwa ein Jahr lang in seiner Freizeit an der Spiel-Engine für No Man’s Sky, ohne dass der Rest des Teams davon wusste. Als die Engine vollständig war, holte Murray ein vier Köpfe starkes Team ins Boot, um am Spiel zu arbeiten, während Joe Danger 2 vom Rest der Firma entwickelt wurde. Ihre Arbeit fand im Geheimen statt, da der Rest von Hello Games nicht wusste, woran sie arbeiteten, was zu einigen Spannungen in der Firma führte. Zudem war Murray besorgt, zu viel über das Spiel preiszugeben und befürchtete, dass auch kleinste Informationen über das Spiel zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen könnten. 2013 hatte Murray schließlich die Gelegenheit, das Spiel bei den VGX-Awards zu präsentieren, er erstellte dafür einen kurzen Teaser, den er einige Tage vor der großen Premiere auch dem Rest des Studios vorführte. Als die Entwicklung an No Man’s Sky voranging, holte Murray immer mehr vom Rest des Teams an Bord, um das Spiel fertigzustellen.
Am 8. Juli 2016 schlossen die Entwickler die Arbeiten an der Version des Spiels ab, die zur Veröffentlichung gedacht war. Seitdem wird an Patches gearbeitet, die neue Features und Fehlerbehebungen liefern sollen. Insgesamt bestand das Entwicklerteam aus 15 Personen, die vier Jahre an dem Spiel arbeiteten.
No Man’s Sky sollte ursprünglich am 22. Juni 2016 erscheinen, der Marktstart wurde später auf August desselben Jahres verschoben. Ab dem 3. März 2016 war das Spiel vorbestellbar. Der Titel wurde zuerst für PlayStation 4 am 9. August 2016 in den USA veröffentlicht, einen Tag später auch in Europa. Nur drei Tage später folgte die Version für Windows via Steam und ohne DRM via GOG.com. Seither erschienen Portierungen für Xbox One, Xbox Series und PlayStation 5. Ende Juni 2022 wurde der Release für Nintendo Switch am 7. Oktober 2022 angekündigt und der Termin mit Veröffentlichung des Waypoint-Updates eingehalten.
Das ursprünglich (in Schrift und Ton) in Englisch entwickelte Spiel wurde – neben Deutsch, hier gesprochen von Lara Trautmann – unter anderem auch in die Sprachen Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch und (nur in Schrift) Niederländisch übersetzt.
Updates
Als Antwort auf die laute Kritik über das Fehlen von im Vorfeld versprochener Eigenschaften und Funktionen, entwickelte Hello Games das Spiel auch nach der Veröffentlichung kontinuierlich weiter. Nach wenigen Monaten erschien bereits das sogenannte Foundation Update, das zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen mitbrachte. Seither sind zahlreiche kleinere oder größere Patches und Updates jeweils im Abstand einiger Monate gefolgt. Neben dem üblichen Beseitigen von Fehlern oder der Verbesserung vorhandener Spielelemente wurde nach und nach der Inhalt von No Man's Sky und die Möglichkeiten der Interaktion des Spielers mit den prozedural erzeugten Welten oder auch anderen Mitspielern ganz beträchtlich erweitert.
Expeditionen
Im Rahmen des Expeditions-Updates am 31. März 2021 wurde mit der Version 3.30 ein neuer Spielmodus eingeführt: Expeditionen. Der Spielmodus kann sowohl als neuer Spielstand als auch, seit der Version 4.5, vom Hauptspielstand aus gestartet werden. In beiden Fällen startet der Spieler, wie bei einem Standardspiel gestrandet auf einem Planeten. Die Expeditionen sind grundsätzlich in fünf Phasen aufgeteilt. Für das Abschließen der Phasen sowie für die gesamte Expedition erhalten die Spieler kosmetische Gegenstände, Bauteile oder Raumschiffe die ausschließlich im Rahmen der jeweiligen Expedition erworben werden können. In der Regel sind Expeditionen auf ca. 6 Wochen begrenzt. Zum Jahresende führten die Entwickler Redux(Neuauflage)-Phasen, im Vorlauf zu den Feiertagen, ein, in denen mehrere vorherige Expeditionen über einen jeweils verkürzten Zeitraum von zwei Wochen noch einmal gespielt werden können.
Wird eine Expedition vom Hauptspiel aus gestartet, können später Spielfortschritte, erwirtschaftete Gewinne und eine beschränkte Anzahl Güter, zum Abschluss der Expedition, ins Hauptspiel migriert, integriert und dort genutzt werden.
Worlds Part I
Am 17. Juli 2024 erhielt No Man’s Sky ein großes technisches Update, den Patch 5.0. Laut Sean Murray wurden technische Neuerungen, die Hello Games im Rahmen der Entwicklung des bis dahin noch unveröffentlichten Spieles Light No Fire umgesetzt hatte, in No Man’s Sky übernommen und damit die grundlegende Programmierung überholt.
Zu den Neuerungen gehörten auf inhaltlicher Seite neue Arten von Welten, ein neuer Kampfmodus gegen Insektenbefall, lebende Gebäude und neue technische Komponenten. Programmtechnisch wurde die Erzeugung von Tieren und Pflanzen überholt und erweitert. Grafisch wurde die Berechnung und Darstellung von Wasserflächen und die Erzeugung von Wellen an den neuesten technischen Stand angepasst, moderne Reflektionsberechnung implementiert. Wasserflächen reagierten aufgrund neuer Wettermechaniken nach dem Update auf Wetterereignisse und -stärke mit entsprechender Wellenhöhe und Anstieg oder Rückgang des Wasserspiegels. Im Rahmen der überholten Wettermodellierung wurde auch die Darstellung von Wolken realitätsnäher gestaltet. Ebenso wurden bodennahe Effekte wie Nebel, Sichtbehinderungen und die Reaktion der Spielerfigur und der umgebenen Vegetation auf Sturmereignisse modernisiert. Partikel- und Oberflächeneffekte erhielten ebenfalls eine Überholung, so dass sie mit zeitgemäßen Reflektions-, Spritzer- und Funkeneffekten aufwarten konnten.
Rezeption
Von der Fachpresse wurde No Man’s Sky eher gemischt aufgenommen, da viele versprochene Eigenschaften nicht ins Spiel eingearbeitet wurden, wie z. B. Raumflugmechanik. Deswegen erhielt das Spiel anfangs mittelmäßige bzw. bei den Nutzern selbst teils stark unterdurchschnittliche Bewertungen. Beim Kritikenaggregator Metacritic erreicht das Spiel in der PlayStation-4-Version 71 von 100 möglichen Punkten basierend auf 100 Rezensionen. 4Players bewertete das Spiel mit 59 % („ausreichend“). GameStar bewertete das Spiel zum Erscheinen mit 73 von 100 Punkten („gut“). Knapp zwei Jahre später erhöhte das Magazin die Wertung auf 82 Punkte. Auch 2020 wertete die GameStar das Spiel in einem Nachtest auf. Nutzer der Onlinevertriebsplattform Steam bewerteten das Spiel am Anfang mit „Größtenteils negativ“. Bereits nach den ersten beiden großen Updates Path Finder bzw.
Atlas Rises stiegen die kürzlichen Bewertungen auf „Sehr positiv“ und bei der Gesamtbewertung auf „Ausgeglichen“. Dieser Aufwärtstrend in den Bewertungen hielt an, und die Entwickler waren und sind offenkundig bemüht, die zum Release versprochenen Eigenschaften sowie weitergehende Features in kostenfreien Updates nachzureichen.
Zur erstmaligen Veröffentlichung auf Nintendo Switch mit dem Waypoint-Update erhielt das Spiel sehr positive Bewertungen. Games.ch bezeichnete das Spiel gar als einen der besten Switch-Ports seit Bestehen der Nintendo-Hybridkonsole. Lediglich den auf der im Vergleich zu anderen Systemen fehlenden Mehrspielermodus habe man vermisst. IGN wertete das Update als größten Generationssprung bislang, während man bei der deutschen Spielezeitschrift GameStar mit dem Update den perfekten Zeitpunkt zum Einstieg in das Spiel für gekommen hielt.
Mit dem Update 5.0 wurde No Man’s Sky grundlegend grafisch und technisch überholt. Worlds Part 1 wurde von Kritikern und in der Spielercommunity als das Update aufgenommen, das No Man's Sky endgültig zu dem Spiel machte, das zu Beginn versprochen wurde. No Man's Sky gilt damit, 8 Jahre nach Erscheinen, als eine der bedeutendsten Comebackstorys der Computerspielgeschichte.
Mit und nach dem Update Worlds Part 1 stiegen die Bewertungen auf Steam auf „90% positiv“, 82 % seit Release, und anhand der Verdreifachung der Spielerzahlen erreichte No Man's Sky, fast ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung, die vierthöchste Spieleranzahl der Geschichte.
Quellen und Überprüfung
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Aktualisierung des Quelltextes: 2026-09-10