The Witcher (polnischer Originaltitel: Wiedźmin, deutsch: Der Hexer) ist ein Action-Rollenspiel des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt RED für Windows und macOS, basierend auf der Hexer-Romanreihe des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski. Die Handlung des Spiels findet dabei nach den Ereignissen der Hauptreihe statt.
Der europaweite Veröffentlichungstermin des Spiels war der 26. Oktober 2007, für den nordamerikanischen Raum der 30. Oktober 2007. Im September 2008 folgte eine verbesserte Neuauflage mit dem Untertitel Enhanced Edition für Windows, 2012 auch für macOS. 2011 erschien die Fortsetzung, The Witcher 2: Assassins of Kings. Der dritte Teil wurde am 19. Mai 2015 unter dem Titel The Witcher 3: Wild Hunt veröffentlicht.
Handlung
Zentrale Figur der Erzählung ist der von Narben gezeichnete Hexer Geralt von Riva, der gegen Bezahlung als professioneller Monsterjäger durch das Land zieht. Seine Markenzeichen sind sein langes weißes Haar und zwei Schwerter auf dem Rücken, eines aus Silber und eines aus Stahl. Das Silberschwert dient dabei als Waffe gegen allerlei Arten von Monstern, da die meisten der vorkommenden Ungeheuer gegenüber Silber sehr empfindlich sind, das Stahlschwert dient dem Kampf gegen humanoide Gegner.
Geralt von Riva wurde seit früher Kindheit auf der Burg Kaer Morhen zum Hexer ausgebildet. In der Bevölkerung wird erzählt, dass die Bruderschaft der Hexer nachts Kinder raube und sie einer harten und grausamen Ausbildung unterziehen würde. Durch die Einnahme von Tränken mutieren während der Ausbildung unter anderem die Knochen- und Muskelstrukturen, ebenso der Stoffwechsel. Viele überstehen diese Prozedur nicht. Nur wenige, wie Geralt von Riva, überleben und sind danach immun gegen Krankheiten und unempfindlich für die meisten Gifte und Toxine, ebenso verfügen sie über die Fähigkeit der Nachtsicht und haben übermenschlich schnelle Reflexe. Besondere Erkennungszeichen bei Hexern sind die reptilienhaften vertikalen Pupillen. Da Geralts Haar während der Mutation die Pigmente verlor, brachte ihm dies den Beinamen „Weißer Wolf“ ein. Wie alle Hexer wurde Geralt in Alchemie, Magie und im Kampf mit dem Schwert unterrichtet. Er ist ein meisterhafter und verschlagener Schwertkämpfer, der seinesgleichen sucht.
Die Spielwelt ist gekennzeichnet von Spannungen zwischen den Menschen und den Anderlingen, d. h. allen nichtmenschlichen Völkern, die bereits zuvor zum Krieg geführt hatten. Trotz des inzwischen vereinbarten Friedens sind es unruhige Zeiten, eine Seuche grassiert und der Konflikt zwischen Menschen und Anderlingen spitzt sich zu, da letztere von den Menschen unterdrückt werden. Beim einfachen Volk sind die wenigen noch lebenden Hexer nicht gerne gesehen. Sie werden als Relikte der Vergangenheit entweder gefürchtet oder verachtet, trotzdem werden sie auch weiterhin gern zur Bekämpfung von Ungeheuern angeheuert. Eines Tages wird Geralt von anderen Hexern halbtot aufgefunden und nach Kaer Morhen gebracht. Er leidet unter Amnesie und muss vieles über sich im Laufe der Zeit wiedererlernen. Kurze Zeit später wird die Burg überfallen.
Die Angreifer – unter der Führung des sogenannten „Professors“ und des Magiers Azar Javed – töten einen jungen Hexeradepten und rauben die geheimen Formeln und Tränke der Hexer-Mutagene. Die Hexer machen sich auf die Suche nach den Räubern, um ihre lang gehüteten Geheimnisse wieder zurückzuerlangen.
Geralt bereist im weiteren Spielverlauf das Königreich Temerien, das zerrüttet ist von Krieg, Armut und Rassismus. Seine Suche führt ihn in den Süden des Landes, zu den Dörfern vor der Stadt Wyzima, wo er sich auf die Spur einer intriganten Verbrecherorganisation begibt. In dem sich aufheizenden Lokalkonflikt zwischen Menschen und Elfen ist Geralt vorerst bemüht, keine Partei zu ergreifen. Er ist aber zunehmend auf Verbündete angewiesen, nachdem das Ausmaß der Verschwörung immer deutlicher wird.
Synchronisation
Die Originalversion des Spieles wurde für ihre mäßige Synchronfassung kritisiert. Für die Enhanced Edition wurde daher das gesamte Spiel mit anderen Sprechern neu synchronisiert, wobei diese neue Sprachausgabe mehr Lob erhielt. Die Kritik betraf nicht nur die deutsche, sondern auch die ursprüngliche englische Synchronisation, welche ebenfalls überarbeitet wurde. Besitzern der Originalversion bot sich dabei die Möglichkeit, die neue Sprachausgabe kostenlos herunterzuladen.
Spielprinzip
Der Spieler steuert den Protagonisten Geralt von Riva aus einer Third-Person-Perspektive, wobei zwei Überblicks- und eine Verfolgerperspektive zur Auswahl stehen. Ein Großteil des Spiels besteht aus Kämpfen und dem Erfüllen von Aufträgen (Quests), für die der Spieler meist mit Erfahrungspunkten, Geld und Ausrüstungsgegenständen belohnt wird. Daneben gibt es Minispiele wie Würfelpoker, mit denen der Spieler Geld gewinnen kann. Die Charakterentwicklung erfolgt klassisch durch die Verteilung der gewonnenen Erfahrungspunkte, die während der Ruhepausen am Lagerfeuer bzw. in Gaststätten oder bei wichtigen Questakteuren möglich ist. Insgesamt stehen 15 Eigenschaften zur Auswahl: die Attribute Stärke, Gewandtheit, Ausdauer und Intelligenz, fünf Zauber sowie jeweils drei Kampftechniken für das silberne und das stählerne Schwert.
Für The Witcher wurde ein spezielles Echtzeit-Kampfsystem entwickelt, das zwischen drei spezialisierten Kampfstilen unterscheidet
Der starke Kampfstil, der mit kraftvollen Schlägen bei großen, schwer gepanzerten Gegnern eingesetzt wird.
Der schnelle Kampfstil, der mit einer hohen Schlagrate bei agilen Gegnern verwendet wird.
Der Gruppenkampfstil, der bei mehreren gleichzeitig angreifenden Gegnern benutzt wird.
Die Wahl des Kampfstils kann im Kampf jederzeit angepasst werden. Neben der Wahl des Stils kann der Spieler durch rhythmische Wiederholung des Angriffsbefehls eine Kette von Schlägen erzeugen, die den verursachten Schaden deutlich erhöht. Im leichten und mittleren Schwierigkeitsgrad geben Bildsymbole dem Spieler Hilfestellung beim Einhalten des Rhythmus. Mit der Leertaste kann das Spielgeschehen jederzeit angehalten werden, um bspw. die Waffen zu wechseln oder Tränke anzuwenden.
Die Dörfer und Städte der mittelalterlichen Fantasiewelt wurden nach historischen Bauplänen errichtet. Die Handlung des nicht-linear aufgebauten Spiels unterteilt sich in fünf Kapitel sowie einen Prolog und einen Epilog. Die Spielwelt besteht aus einzelnen Leveln, wobei die einzelnen Kapitel in sich geschlossene Abschnitte bilden. Die Bereiche der vorherigen Kapitel können nachträglich nicht mehr betreten werden. Umwelt und Tagesabläufe wurden realitätsnah gestaltet. Beispielsweise gehen die Bewohner tagsüber ihrer Beschäftigung nach, in der Nacht ruhen sie in ihren Häusern, bei Regenwetter stellen sie sich unter. Kinder spielen auf den Straßen, Katzen sitzen auf Fensterbänken und putzen sich, Hühner scharren auf dem Hof und vielerlei Nutz- und Wildtiere sind zu beobachten. Musikanten und Barden spielen und singen auf Marktplätzen und in Gaststätten und vieles mehr.
Während des Spiels stößt der Spieler bei Multiple-Choice-Gesprächen auf wichtige Entscheidungen, die je nach Wahl den Fortlauf des Spiels entscheidend beeinflussen. Im späteren Verlauf des Spiels werden dem Spieler in Zwischensequenzen, die als gezeichneten Traumsequenzen (Flashbacks) gestaltet sind, die Konsequenzen seiner Wahl aufgezeigt. Die Handlungsweise des Spielers kann letztlich zu drei unterschiedlichen Spielenden führen.
Entwicklung
The Witcher war die erste Eigenentwicklung des polnischen Publishers CD Projekt. Unter dem Namen CD Projekt RED wurde im Februar 2002 ein eigens dafür errichtetes Entwicklerstudio gegründet. Es war nicht der erste Versuch, ein Spiel auf Grundlage der in Polen populären Wiedźmin-Buchreihe zu entwickeln. Bereits 1996 hatte sich das Entwicklerstudio Metropolis Software House die Rechte für die Entwicklung eines Action-Adventures gesichert, dieses jedoch nie vollendet. 2008 wurde es von CD Projekt übernommen. Die Entwicklung von The Witcher dauerte fünf Jahre, bei einer Teamstärke von rund 100 Personen, und kostete 20 Millionen polnische Złoty (was etwa 4,4 Millionen Euro entspricht).
Technik
Das Spiel verwendet die von BioWare entwickelte, aber für die Ansprüche von The Witcher von CD Projekt RED stark modifizierte Aurora-Spielengine. Am Ende blieben laut den Entwicklern von der ursprünglichen Engine nur rund 20 % unangetastet, der Rest, darunter der komplette Renderpfad, wurde komplett neu geschrieben.
Für die Darstellung der Kampfbewegungen in The Witcher wurden Experten für mittelalterliche Kampfkunsttechniken angeworben. Die Bewegungsabläufe wurden im Studio der metricminds GmbH in Frankfurt am Main mit Hilfe des Motion-Capturing-Verfahrens aufgezeichnet.
Vermarktung
In Zusammenarbeit mit dem polnischen Studio Platige Image entstand unter der Leitung von Tomasz Bagiński, der vor allem durch seine kurzen Animationsfilme Katedra (2002; 2003 als bester animierter Kurzfilm für den Oscar nominiert) und Sztuka spadania (2004, 2006 BAFTA für den besten animierten Kurzfilm) bekannt wurde, ein computeranimierter Trailer des Spiels.
2007 brachte die polnische Death-Metal-Band Vader in Zusammenarbeit mit CD Projekt ihr Video Sword of the Witcher heraus. Dem normalen Spiel und der Collector’s Edition lag das Musikvideo des Liedes Amaranth der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish bei.
2008 erschien die Enhanced Edition, bei der nicht nur Bugs (Programmfehler) beseitigt, sondern auch das Inventar vergrößert und Zwischensequenzen sowie über 200 neue Gestik-Animationen hinzugefügt wurden. Außerdem wurde die deutsche Vertonung erneuert. In der Box war eine „Making-of“-DVD, zwei Soundtrack-CDs, eine Kurzgeschichte von Andrzej Sapkowski sowie eine Karte von Temeria und eine überarbeitete Spielanleitung. Außerdem gab es zwei zusätzliche Miniabenteuer, Preis der Neutralität und Nebenwirkungen, die unabhängig von der Handlung des Hauptspiels zusammen ca. fünf bis acht Stunden Spielzeit bieten. Später wurde allen Besitzer des Originalspiels die Enhanced Edition als kostenloser Download angeboten, wobei während der Installation die Registrierung des Spiels überprüft wurde.
2011 erschien schließlich The Witcher: Enhanced Edition (Director’s Cut) mit weiteren Extras wie zwei Karten, „music-inspired-by-The-Witcher“-Soundtrack, einem Artbook und anderem.
Ein Jahr nach Release hatte sich das Spiel bereits eine Million Mal verkauft.
Konsolenversion
Unter dem Titel The Witcher: Rise of the White Wolf sollte nach Ankündigung im Dezember 2008 eine Portierung des Spiels für die Spielkonsolen Xbox 360 und PlayStation 3 entstehen. Nach finanziellen Problemen von CD Projekt wurde das von Widescreen Games betreute Projekt 2009 jedoch eingestellt.
Rezeption
Von der Fachpresse wurde The Witcher insgesamt sehr positiv aufgenommen. Besonders die Atmosphäre und Erzählweise des Spieles, die, gemäß der literarischen Vorlage, nicht gängigen Fantasyklischees und dem genretypischen Eskapismus folgen, erhielten viel Lob. Anlass zu negativer Kritik boten aber vor allem teils massive Bugs der Originalversion. Die Enhanced Edition nahmen daher viele Kritiker zum Anlass, das Spiel einer Neuprüfung zu unterziehen.
Literatur
Die Welt von The Witcher. Videogame-Kompendium, Panini Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8332-2894-0.
Quellen und Überprüfung
Angepasst von Wikipedia. Der Text gehört den Autoren des Originalartikels und ist unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz verfügbar. Tabellen, Vorlagen und Fußnoten entfernt; Unten finden Sie Links zur Originalversion und zum Revisionsverlauf.
Aktualisierung des Quelltextes: 2026-06-28